Deutsche Versicherungsnehmer setzen auf neue Versicherungsvereine als Antwort auf den harten Markt

Führende deutsche multinationale Unternehmen fordern eine marktweite Anstrengung, um die Schaffung neuer Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit zu prüfen, die langfristige Lösungen für die Kapazitätsengpässe und die zahlreichen Haftungsausschlüsse bei den letzten Versicherungserneuerungen bieten könnten.

Große Schwierigkeiten beim Aufspüren preislich angemessener und ausreichender Deckungskapazität in Kernsparten wie Cyber und D&O haben bei den Mitgliedern des Gesamtverbandes der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) seit einiger Zeit für lautstarke Kritik gesorgt.

Hochkarätige Mitglieder des GVNW nahmen im Rahmen des jährlichen Symposiums des Verbandes in München an einer Podiumsdiskussion über das Potenzial von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit teil und stimmten darin überein, dass es an der Zeit sei, zu handeln anstatt nur zu jammern.

Die Hürden sind hoch. Die Gründung neuer Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit wäre mit einem enormen Aufwand verbunden, um Wettbewerber mit ausreichendem Gemeinschaftsinteresse zusammenzubringen. Es dürfte nicht leicht sein, die Unternehmensführungen von der Notwendigkeit der Finanzierung und des Engagements für Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit zu überzeugen, die im Wesentlichen die Versicherungsansprüche der Konkurrenzunternehmen begleichen würden.

Die Risikomanager auf dem Podium, die führende deutsche Unternehmen wie BASF und Merck vertraten, waren sich jedoch einig, dass das Ausmaß des jüngsten Risikokapazitätsabbaus der Versicherer eine entsprechende Antwort erfordert.

„Aus meiner Sicht ist es jetzt absolut an der Zeit, Gegenseitigkeitsversicherungen in Betracht zu ziehen“, sagte Udo Kappes, der in der Abteilung Risiko- und Versicherungsmanagement von Airbus tätig ist.

„Ich sehe derzeit eine große Unzufriedenheit gegenüber der Versicherungswirtschaft, und in genau solchen Zeiten werden Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit gegründet. Vor zwei Jahren war die gesamte Versicherungsbranche nicht in der Lage und nicht willens, mit Versicherungsnehmern über D&O-Deckungen zu reden. Die Versicherer verringerten ihre Kapazitäten und erhöhten im Gleichschritt die Prämien. Captives sind sinnvoll, aber sie sind nicht das richtige Vehikel, um dies alles aufzufangen“, so Kappes.

„Bei den Cyber-Deckungen gab es das gleiche Problem. Wenn Sie zu Ihren Vorstandsmitgliedern gehen und sagen müssen: „Nächstes Jahr zahlen Sie das Doppelte für die Hälfte der Deckungskapazität“, haben Sie ein Problem, das nur durch unkonventionelles Handeln gelöst werden kann. Wenn andere Unternehmen ähnliche Probleme haben, können wir vielleicht unsere Kräfte bündeln“, fügte er hinzu.

„Es geht nicht darum, mit der Versicherungswirtschaft zu konkurrieren, sondern den Markt langfristig zu stabilisieren. Ich halte eine Umfrage für erforderlich, um festzustellen, ob es ein gemeinsames Interesse gibt und ob andere die gleichen Probleme haben. Natürlich sind die Hürden extrem hoch – es ist viel Kapital erforderlich und es gibt Risiken – aber ich wäre offen für einen Vorstoß. Wir werden sehen, was passiert“, so Kappes weiter.

Stephan Schröder vom multinationalen Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck stimmte seinem GVNW-Kollegen zu. „Wir sind in erster Linie ein Industrieunternehmen, das in geeignete Unternehmen investiert und Anteile an ihnen hält, aber ganz sicher kein Versicherungsunternehmen. Deshalb ist es der Unternehmensführung auch schwer vermittelbar. Aber nichts zu tun, macht auch keinen Sinn“, sagte er.

„Risiken können in die Captive ausgelagert oder in der Bilanz gehalten werden, aber ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ist sicherlich eine Option. Dazu müsste jedoch mit vielen Leuten gesprochen werden – über Steuern, Recht, Compliance usw. Es wäre eine sehr komplexe Lösung, aber die Unternehmensführung fragt nach Optionen, also müssen wir das ernsthaft in Erwägung ziehen“, fügte er hinzu.

Kappes sagte, dass erfolgreiche Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in der Vergangenheit wie FM Global und Oil Casualty Insurance, jetzt bekannt als Everen, zeigen, dass das Konzept funktionieren kann.

„Allerdings ist ein langfristiger Ansatz erforderlich. Wenn der Markt dann in drei Jahren wieder weich sein wird, ist nicht alles wieder in Ordnung. Es geht darum, eine gewisse Planungssicherheit zu schaffen. Risikomanager hassen nichts mehr, als mit Versicherern Bedingungen zu vereinbaren, die sie dann im folgenden Jahr wieder revidieren müssen. Wir alle hassen das. Man braucht eine langfristige Sichtweise, und ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit könnte der richtige Lösungsansatz sein… Gegenseitigkeitsversicherungen sind vielleicht nicht die Lösung für jedes Problem, aber ich denke, wir werden mehr Interesse sehen, und es ist einen Versuch wert“, so Kappes.

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