GVNW fordert Verlängerung des Schutzschirms der Kreditversicherung bis 2021

Ron van het Hof, CEO, Euler Hermes in Deutschland

Der GVNW hofft, dass die Bundesregierung den Schutzschirm für die Kreditversicherung, der in der Frühphase des Covid-19-Ausbruchs in Deutschland eingeführt wurde, ausweitet, da die Kreditversicherer angesichts rapide steigender Verluste ihre Deckungszusagen verringerten.

Die Bundesregierung führte in Zusammenarbeit mit den führenden Kreditversicherern – vor allem Atradius, Euler Hermes und Coface – einen Schutzschirm zur Absicherung der Lieferantenkredite deutscher Unternehmen ein.

Die Bundesregierung stimmte zu, von März bis Ende 2020 Entschädigungszahlungen der Kreditversicherer in Höhe von EUR 30 Mrd. zu garantieren. Im Gegenzug verpflichteten sich die Kreditversicherer, ihre Deckungszusage für Kreditlinien im Wert von rund EUR 400 Mrd. aufrechtzuerhalten.

Darüber hinaus verpflichteten sich die Kreditversicherer, Verluste von bis zu EUR 500 Mio. selbst zu decken, die über die staatlichen Garantien hinausgehenden Ausfallrisiken zu tragen und zwei Drittel der Gesamtprämien für 2020 an die Regierung abzutreten.

Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sagte damals: „Wir stehen an einem Wendepunkt für die deutsche Wirtschaft. Gerade jetzt sind wir für unsere Kunden da. Wir haben deshalb sehr frühzeitig den Schulterschluss mit dem Bund gesucht, um gemeinsam deutsche Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen.  Gerade auch für den Mittelstand ist dies elementar. Wir müssen sicherstellen, dass zuvor gesunde Unternehmen weiterhin genügend Spielraum haben und dass Lieferketten möglichst aufrechterhalten werden.“

„Vorrangiges Ziel ist es, das Vertrauen in den Handel zu stabilisieren. Er ist das Rückgrat der Wirtschaft. Durch die nun getroffene Vereinbarung können wir unsere Deckungszusagen für genau diese zuvor gesunden Unternehmen aufrechterhalten, Kettenreaktionen vermeiden und leisten so einen wichtigen Beitrag für die deutsche Wirtschaft und die Unternehmen“, fügte er hinzu.

Diese wichtige und zügig ausgearbeitete Lösung wurde vom GVNW begrüßt. Da die Sorgen über das Ausmaß von Insolvenzen und Kreditproblemen weltweit weiter zunehmen, befürwortet der Verband eine Verlängerung des Schutzschirms über das Ende dieses Jahres hinaus.

Atradius veröffentlichte kürzlich einen Bericht, der vor einer starken Zunahme der weltweiten Insolvenzen warnte und darauf hinwies, dass die Regierungen eine Ausweitung staatlich garantierter Kreditversicherungssysteme, wie den Schutzschirm in Deutschland, in Erwägung ziehen sollten.

Atradius rechnet mit einem Anstieg der weltweiten Firmenpleiten um 26%, hauptsächlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2020. Der Anstieg werde vor allem durch die Auswirkungen von Covid-19 auf die Volkswirtschaften weltweit bedingt sein.

Der Kreditversicherer prognostiziert, dass alle großen Volkswirtschaften, mit Ausnahme Chinas, in diesem Jahr voraussichtlich eine Rezession erleben werden. Ausmaß und Dauer der Rezessionen werden von der Fähigkeit der Volkswirtschaften abhängen, mit den Bestimmungen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit umzugehen und die Lockdowns beenden oder in sozialer Distanzierung wachsen zu können.

Der Chefvolkswirt von Atradius, John Lorié, sagte: „Die Regierungsmaßnahmen haben die erwartete Zunahme der Insolvenzanträge auf verschiedene Weise verringert. So haben sie entweder die Antragsschwelle verschoben, die Befugnisse des Schuldners, den Konkurs zu erzwingen, eingeschränkt oder ausreichende finanzielle Unterstützung für eine Verschiebung der Antragstellung bereitgestellt. Mit dem Auslaufen der Hilfsprogramme dürfte die Zahl der Insolvenzanträge jedoch rasch ansteigen.“

Die Bundesregierung hat Berichten zufolge eingeräumt, dass der Schutzschirm aufgrund der schrecklichen Wirtschaftsaussichten möglicherweise über das Ende dieses Jahres hinaus verlängert werden muss.

Alexander Mahnke, Vorstandsvorsitzender des GVNW, begrüßte diese Erkenntnis in seiner Eröffnungsrede. Er hofft, dass eine Lösung gefunden werde, die verhindert, dass Kreditversicherer ihre Deckung entziehen und damit die Lieferketten Risiken ausgesetzt werden.

„In der Kreditversicherung sahen sich Kunden bereits früh in der Covid-19-Krise Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit ihren Versicherern ausgesetzt.  Umso erfreulicher aus Sicht der versicherungsnehmenden Wirtschaft ist es, dass sich die Bundesregierung und die deutschen Kreditversicherer im April auf einen sogenannten „Schutzschirm“ für Warenkreditversicherer geeinigt haben, wobei der Bund für das Jahr 2020 eine Garantie für Entschädigungszahlungen der Kreditversicherer von bis zu EUR 30 Mrd. übernimmt“, sagte Mahnke.

„Wir hoffen sehr, dass über diesen Zeitraum hinaus Lösungen gefunden werden, die verhindern helfen, dass Kreditversicherer ihren Kunden die für die Absicherung der Lieferketten so wichtigen Limite entziehen. Für den September sind jedenfalls Gespräche über eine Verlängerung des Schutzschirms angekündigt“, fügte er hinzu.